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El péndulo in Südamerika. Santiago del Estero, Pampa de los Guanacos.

Eine Reise in die Vergangenheit. Vor mehr als drei Jahrhunderten sind die Mennoniten aus ihrem ursprünglichen Deutschland ausgewandert; um das Reine ihres religiösen Glaubes zu behalten haben sie sich in vielen ländlichen Kolonien verteilt, und seitdem haben sie ihre Lebensart kaum verändert: sie benutzen kein Auto, kein Handy, und überhaupt keine moderne Technologie, sie fahren in Pferdewagen und kleiden sich genau so wie vor dreihundert Jahren an. In Südamerika gibt es heute viele Kolonien von ihnen, wir haben die in Pampa de los Guanacos, im Norden der Provinz von Santiago del Estero, besucht, die etwa drei km weit vom Dorf liegt.

Als wir die Landstrasse verließen und uns auf den staubigen Weg begaben, begegneten uns erstaunlich grosse Heuschrecken, die wir am Anfang für Vögel gehalten haben. Als erstes bei der Kolonie sind wir einer Gruppe von Kindern begegnet-alle blond und blauäugig, die einzigen, die, außer uns, sich in die Mittagszeit wagten. Die Kommunikation mit ihnen war gar nicht leicht, denn weder verstanden sie spanisch noch war ihr deutsch für uns verständlich, doch schien es so, dass sie ein bisschen von dem was wir sagten verstanden haben. Später erfuhren wir, dass sie plattdeutsch sprechen, dass sie allerdings hochdeutsch ganz gut lesen können; die Aussprache klang aber eher dem Holländischen ähnlich. Die Marionetten erweckten in ihnen grosses Erstaunen, und nach einer Weile, in der wir auf der Strasse gespielt haben, fuhren wir weiter, mit dem Versprechen, in ein paar Stunden zurück zu kommen, wenn die Eltern wieder von der Siesta wach seien. Nach einigen hunderten Metern trafen wir eine Gruppe von Jugendlichen, sie waren sehr an uns interessiert, und als wir sie nach einem Platz fragten, in dem wir uns während der Hitze des Nachmittags ein wenig erholen könnten, sagten sie, nach kurzem Zögern, wir dürften uns an der Ecke, unter einem Baum ausruhen, wo eine kleine Gruppe von Mädchen saß. Also sind wir dahin, und die Jungen begleiteten uns, mit ihnen war letzendlich die Kommunikation auf spanisch viel einfacher als auf deutsch; die Mädchen dagegen sprachen praktisch kein Wort spanisch und waren nicht nur schüchtern, sondern ziemlich verklemmt... In diesen paar Stunden, während wir an den Marionetten einige Reparaturen versuchten, und uns mit ihnen gemütlich unterhielten, haben wir wohl das Interesanteste über das Leben in der Kolonie erfahren, darf aber leider davon hier nichts verraten werden, denn wir gaben den Jungen unser Wort, dass wir darüber absolute Diskretion behalten würden. Danach kamen wir zu den Kindern zurück und wurden freundlich in einem der Häuser empfangen, dort unterhielten wir uns lange mit dem Familienvater und einem Freund von ihm, auch aus der Kolonie. So erfuhren wir, dass diese Gemeinschaft früher in Mexico war, wo aber das Land immer enger wurde, und dass sie von dem, der dieses Landstück hier verkauft hatte, angelogen wurden, dass sie von den Einheimischen oft beklaut werden, wobei im unterschied zu Mexico, es hier ohne Gewalttätigkeit passiere, sie fragten uns auch ausführlich über das heutige Leben in Deutschland, waren entsetzt, wie das Geld heute Seele und Schicksal der Menschheit beherrscht... Aber die Frauen waren kaum zu sehen, sie waren die ganze Zeit im innern des Hauses, und erst als der Freund am gehen war sind sie raus um sich zu verabschieden... Später sprachen wir mit dem Präsident der Kolonie, um um Erlaubnis zu bitten, in der Schule spielen zu dürfen. Sehr freundlich empfiehl er uns in einer bestimmten Schule zu spielen, in der der Lehrer offener als die anderen sei. Am nächsten Tag waren wir also dort. Doch mussten wir ohne Musik spielen, nach Befehl von ihm, der ansonsten ziemlich freundlich zu uns war... es war eine komische Situation, ohne Musik und ohne Sprache spielen zu müssen...

Heute, denke ich an diese merkwürdige Gemeinschaft mit sehr widersprüchlichen Gefühlen. Einerseits erweckt in mir ihre Verachtung der modernen Gesellschaft grosse Sympathie, und ich denke an ihren wunderbaren, von grossen Pferden gezogen Wagen mit Neid, doch... meiner Meinung nach, liegt hier ein grosser Irrtum, dass sie ohne Musik zu leben versuchen... und die Jugendlichen, die unter dem Baum zu uns so offen waren, sind zugleich der lebendige Beweis dafür, dass die Menschheit zwar fähig ist, sei es durch religiöse, politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche Dogmen, wesentliche Bedürfnisse ihrer Seele zu verleugnen, aber nicht auszurotten.

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